Auf dem Blog Vietmok von Etienne bin ich auf eine Blogparade zum Thema Dein Zu Hause gestoßen, die mir aus verschiedenen Gründen sehr am Herzen liegt.

Zum einen reise ich gerade durch Südostasien und habe mich total in Vietnam verliebt. Etienne ist von Deutschland nach Hanoi gezogen und berichtet darüber.

Zum anderen hat der Beitrag mein Interesse geweckt weil ich mir die Thematik schon länger selbst durch den Kopf schwirrt.

 

Erst vor 2 Tagen habe ich mit einem Freund aus Deutschland via Facebook-Call über die Problematik eines zu Hauses gesprochen.

Wir hatten mal zusammen in Amsterdam gearbeitet, bevor er zurück nach Deutschland ging.

Während wir telefonieren lag ich gerade in der Hängematte meines Hostels auf den Philippinen.

 

Du möchtest auswandern oder bist es bereits? Vielleicht kannst du dich mit diesem Bericht identifizieren!

Wohnsitzlos oder Heimatlos?

Warum es schwierig für mich ist zu Hause zu definieren

Österreich, Niederlande, Asien – mein Lebensweg

Damit Du näher verstehen kannst was das Problem ist:

Ich komme aus einer kleinen Stadt in Niederösterreich.

Offiziell bin ich mit 21 Jahren in meine eigene Wohnung nach Wien gezogen. Eigentlich habe ich aber bereits seit meinem 16. Lebensjahr dort die meiste Zeit verbracht.

Mit 25 Jahren bin ich dann nach Amsterdam ausgewandert.

Während dieser 2 Jahre, die ich dort gewohnt habe, bin ich ca. 5 Mal innerhalb von Amsterdam umgezogen.

Ende Dezember bin ich wieder für 3 Wochen zurück nach Österreich. Wobei ich hierbei eigentlich die meiste Zeit herumgereist bin. Deutschland, Ungarn, Südtirol.

Seit 15. Jänner 2016 reise ich ohne wirkliches Ziel und Rückflugticket durch Asien.

 

Nun zur Fragestellung. Etienne schreib: Ich möchte gerne von dir wissen, was der Begriff “Zuhause” für dich bedeutet?

Man sagt ja bekanntlich, zu Hause sei dort, wo das Herz ist! Damit stellt sich schon mal die erste Schwierigkeit für mich.

Schon im Teenager-Alter zog es mich immer nach Wien.

Wien war für mich der Ort an dem ich Leben wollte. Ab dem Zeitpunkt an dem ich dort wohnte, war dies auch mein zu Hause für mich.

Selten benutzte ich den Ausdruck für die Kleinstadt, außerhalb der Stadtgrenze, in der ich aufwuchs.

Mit 18 hatte ich mich in San Diego, Kalifornien, verliebt. Von da an sagte ich dort hätte ich mein Herz gelassen. Zu Hause war es aber keines für mich.

Dafür waren 3 Wochen zu kurz. Noch heute kann ich mir gut vorstellen dort alt zu werden – man wird sehen.

 

6 months in #Amsterdam – looking at the bags it seems more like 6 years 😱 #newflat #newstart #6months #stuff #umzug #bags

Ein von SuitcaseUnpacked (@suitcase_unpacked) gepostetes Foto am

 

Seit meinem Umzug nach Amsterdam hatte sich wiederum viel verändert.

Ich durchlebte meine Höhen und meine Tiefen.

Ein richtiges, vertrautes zu Hause, wie man es kennt, habe ich in Amsterdam auch selten gehabt.

Irgendwas war immer das Problem: entweder waren die Mitbewohner etwas unangenehm, die Wohnung ungemütlich oder die Verweildauer zu kurz.

Im Großen und Ganzen habe ich mich dann aber doch in Amsterdam viel mehr zu Hause gefühlt als in Österreich.
Obwohl ich alle 2-4 Monate mal „nach Hause“ flog wurde mir das Land fremder.

 

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Was sich während der Abwesenheit verändert hat

Außerdem merkte ich, dass ich umso länger ich mich im Ausland befand, den Bezug zu Freunden, Familie und dem Land verlor. Heimat fühlte sich plötzlich weniger vertraut an.

Im ersten Jahr gings noch!

Doch bei meinem letzten Aufenthalt habe ich einfach gemerkt: die Welt dreht sich auch ohne einen weiter.

So haben die ersten Freunde plötzlich Kinder und einen langjährigen Freund. Früher sind sie mit dir um die Häuser gezogen und du warst ihre Priorität.

Nun ist es oft schwierig einen Zeitpunkt zu finden an dem man sich für ein Mittagessen, einen Kaffee oder Cocktail trifft, bevor man wieder abreist.

 

Deine Familienangehörigen haben sich nicht nur optisch verändert. Auch an den Charakterzügen merkst du, dass sie älter werden.

Kurz: Dein altes zu Hause fühlt sich einfach nicht mehr so vertraut wie früher an.

In meinem Fall liegt das wahrscheinlich auch daran, dass wir mein Elternhaus verkauft haben. Mein Zimmer gibts nicht mehr.

Und du merkst, dass du das U-Bahn-Netz doch nicht mehr blind kennst.

Du weißt nicht mehr welche Lokale und Restaurants IN sind oder wo du einfach mal einen Happen essen könntest. Das vergisst man mit der Zeit.

 

Eine schwierige Frage: Woher kommst du?

Nachdem ich nun seit über 2,5 Monaten unterwegs bin, bemerke ich immer wieder wie ich mich selbst erkläre. Die erste Standardfrage ist eigentlich immer „woher kommst du“. Tja, gute Frage!

 

"I'M FROM AUSTRIA" "OH AUSTRALIA, NICE" - Socially Awesome Awkward Penguin
@ memegenerator.net – Socially Awesome Awkward Penguin

Eigentlich bin ich Österreicherin. Damit sind die Leute meistens zufrieden.

Ich erwische mich aber immer wieder dabei noch unbedingt anhängen zu wollen, dass ich ja 2 Jahre in Amsterdam gewohnt habe. Denn wenn ich ehrlich bin, ist das mein „zu Hause“.

Dort wohnen meine Freunde, dort kenn ich mich aus, dort weiß ich was los ist. Österreich ist mir mittlerweile etwas fern.

Wenn ich „Heimweh“ habe, dann ist dies ebenfalls nach Amsterdam. In Österreich sehe ich mich auch die weiteren Jahre nicht.

 

Wo ich aber in Zukunft leben möchte, versuche gerade herauszufinden.

Amsterdam wäre schön, doch die Welt ist groß und die vielen inspirierenden Menschen, die man unterwegs kennenlernt, machen Lust auf mehr.

 

Conclusio: zwischen den Welten

Ich bin mit meinem deutschen Freund zu diesem Ergebnis gekommen:

Wenn du einmal länger woanders gewohnt hast, dann ist es schwierig sich wieder irgendwo richtig zu Hause zu fühlen, wie man es im klassischen Sinne aus seiner Kindheit kennt.

Du kannst dein altes zu Hause vermissen, zurückkehren und dann doch wieder merken, dass nichts mehr so ist wie es war.

In deinem neuen zu Hause fehlt dir aber auch etwas, denn irgendwie bist du dort auch ein Fremdkörper. Sei es aus sprachlichen oder kulturellen Unterschieden.

Ich glaube es braucht Jahre sich irgendwo richtig heimelig zu fühlen oder ist vielleicht nie anders.

Ich denke, irgendwann bist du überall und nirgends wirklich zu Hause. Du wirst zum Weltenwanderer.

Daheim ist immer der Ort an dem man sich wehmütig an einen anderen erinnert. - Thomas S. Lutter

Und wenn du einmal länger reist, dann wird dir das umso bewusster.

Es wird immer schwieriger sich irgendwo wirklich langfristig zufrieden und zu Hause zu fühlen.

Irgendetwas war woanders immer besser.

Du arrangierst dich, du bist auch (sehr) glücklich, aber ein zu Hause, wie du es aus Kindertagen kanntest, gibt es nicht mehr für dich. Zumindest ist das bei mir so.

 

Dies ist wohl der persönlichste Beitrag, den ich bisher geschrieben habe. Danke für diese Blogparade, Etienne.

 

Was ist ein zu Hause für dich?

Bist du auch ein Wanderer zwischen Ländern oder hast du dein Heimatland noch nie länger verlassen?

Denkst du ähnlich wie ich oder findest du das absoluten Mist?

Ich bin gespannt, deine Geschichte zu hören!

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Kommentare

Kommentare

4 thoughts on “Wohnsitzlos vs. Heimatlos – Wo bist du zu Hause?

  1. Liebe Bettina,

    vielen Dank für diesen sehr persönlichen Beitrag. Ich fand es sehr spannend zu lesen, dass sich die Idee deines „Zuhauses“ mit der Zeit immer wieder verändert hatte. Die Tatsache, dass du lieber nach Amsterdam gehen würdest und dies eher als eine Art Zuhause ansiehst, kann ich gut verstehen. Mir geht es mit Deutschland genauso. Müsste ich morgen Vietnam verlassen, würde ich mich woanders hin aufmachen, aber nicht zurück nach Deutschland. Das hat viele Gründe. Allen voran möchte ich noch mehr sehen und mehr über diese Welt verstehen. Deshalb lebe ich auch so intensiv in Vietnam. Mit „intensiv“ meine hier natürlich, dass ich sehr vietnamesisch lebe und auf viel Luxus und Komfort verzichte.

    Bei einer Zeile deines Beitrags wurde ich eben nachdenklich:

    „Es wird immer schwieriger sich irgendwo wirklich langfristig zufrieden und zu Hause zu fühlen.“

    Ich schreibe diesen Kommentar jetzt direkt, nachdem ich deinen Beitrag gelesen habe, und bin vielleicht noch gar nicht damit fertig, über diesen nachzudenken. Spontan würde ich sagen, dass nicht der Ort die größte Rolle spielt, sondern das Gefühl in dir. Vietnam hat mich sehr verändert, vor allem positiv. Ich bin ruhiger, mutiger und zielstrebiger… und doch sehr gelassen mit meinem Leben. Dadurch muss ich zugeben, das Gefühl des „Heimwehs“ immer weniger zu verstehen, denn ich bewege mich immer mehr in Richtung meiner eigenen Mitte. Vielleicht ist das etwas, das wir auch „Zuhause“ nennen können. Nur eine Idee 😉

    Was denkst du? Kennst du ein Gefühl in der Richtung?

    Vielen Dank für deine Teilnahme. Es war sehr spannend, von dir zu lesen.

    Liebe Grüße,
    Etienne

    1. Hallo Etienne, vielen Dank für deinen Kommentar.
      Freut mich, dass er dich auch zum Denken anregt. Denn ich habe ihn mir ca. 10 Mal durchgelesen bevor ich auf „publish“ gedrückt habe.
      Ich war mir nicht sicher ob ich dies so veröffentlichen sollte, da ja auch mein Blog zum großen Teil vom Auswandern handelt und ich Menschen motivieren möchte, es ebenso zu versuchen.

      Da hört man vielleicht so eine Zeile wie
      „Es wird immer schwieriger sich irgendwo wirklich langfristig zufrieden und zu Hause zu fühlen.“
      nicht so gerne.

      Wobei ich das überhaupt nicht als negativ empfinde. Sondern eher damit sagen wollte, dass du Dinge und Orte anders wahrnimmst als früher oder als die meisten Menschen, die noch nie woanders gelebt haben.

      Ich habe mittlerweile die „Gabe“ mich überall zu Hause zu fühlen. Das heißt ich fühl mich schnell irgendwo wohl, lerne neue Freunde kennen und kann dort auch längere Zeit bleiben. Man hat aber immer irgendwann das Streben nach etwas anderem (zumindest in meinem Fall und auch dem Fall meines Freundes).

      Weiters ist da meiner Ansicht nach das Problem des Begriffes – was man damit verbindet – im klassischen Sinne, wie ich es noch verstanden hab als ich aufwuchs zum Beispiel: das heißt für mich war das ein Ort an dem ich mein Zeug herumliegen lassen kann, wo ich möchte, wo Menschen sind, die man innig liebt und sehr gut kennt (Freunde, Familie,..), wo man sich auskennt (sei es Lokale, öffentliche Verkehrsmittel etc.) und wo man sich wahrscheinlich vorstellen könnte alt zu werden (evtl. nicht im selben Haus aber doch Ort).

      So etwas habe ich bisher nicht empfunden und ich glaube auch, dass dies nicht mehr passieren wird. Zumindest die nächsten Jahre.

      Gerade in deinem Fall muss es ja noch extremer zu verspüren sein. Immerhin ist die Kultur doch sehr anders – auch im alltäglichen Umgang miteinander.

      Es ist eine neue Art von zu Hause, die ich fast überall verspüren kann.
      Aber ist nicht mehr DAS zu Hause, das ich mal kannte.

      Hoffe das war irgendwie verständlich! 🙂
      Liebe Grüße aus Indien,
      Bettina

      1. Hallo Bettina,

        ja, ich kann dein Gefühl da schon nachvollziehen. Diesen traditionellen Begriff von „Zuhause“ finde ich auch immer schwieriger. Bislang habe ich absolut keine Ahnung, wo ich mal alt werde. Aber auf der anderen Seite ist dies auch noch nicht so wichtig, denn mit Ende 20 möchte ich noch nicht über das Altwerden nachdenken. Zumindest nicht so viel 😉

        Es ist schon seltsam in Vietnam. Auf eine Art fühle ich mich hier zu Hause, auf eine andere weiß ich, dass ich nie vollständig dazugehören kann. Dafür sind die kulturellen Unterschiede auch zu groß und meine europäische bzw. deutsche Sozialisation macht sich dann und wann auch bemerkbar.

        Sei’s drum, ich bin da eigentlich sehr entspannt mit allem und erfreue mich ebenfalls der „Gabe“, mich schnell an einem neuen Ort einleben zu können. Eine Fähigkeit, die ich keinesfalls missen möchte.

        Insofern verstehe ich dein Gefühl eines Zuhauses irgendwo sehr gut. Aber du hast Recht, es ist dann nicht unbedingt das Zuhause, welches man von diesem klassischen Begriff her kennt.

        Liebe Grüße aus Hanoi,
        Etienne

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