Ich komme gerade von meiner ersten Wanderung zurück.

Dabei habe ich mich gleich mal einer größeren Herausforderung gestellt, als bei der Reisebuchung noch erwartet: der Hiking-Trip zur Trolltunga (Deutsch: Trollzunge) in Norwegen auf 1.100 Höhenmetern und ca. 700m über dem See Ringedalsvatnet in Skjeggedal.

Die Trolltunga befindet sich nahe der Stadt Odda  und ca. 7km von Tyssedal entfernt. Die empfohlene Saison liegt dabei zwischen 15. Juni und 15. September.

Wir waren 10 Mann und größtenteils relativ unerfahren.

Vollgepackt sind wir von Oslo, mit 2 Mietautos nach Skejeggedal gefahren.

Man hat die Möglichkeit ganz unten zu parken oder noch ein paar Kilometer weiter oben auf dem Parkplatz der stillgelegten Mågeliban. 12 Stunden parken kostet dort 100 NOK (rund € 12), unten ist es etwas billiger. Wer nicht mit dem Auto kommt, kann auch einen Bus oder ein Taxi von Odda nach Skjeggedal nehmen.

Oben befindet sich auch die Touristeninformation und man kann unter anderem Kletterungen, Radtouren und Führungen buchen.

 

 

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Die Ankunft in Skeggedal

Da es relativ spät abends war, haben wir zuerst unsere Zelte aufgeschlagen und am Fuß des Berges gecampt.

Eigentlich war dies nicht erlaubt. Wir waren allerdings von dem Flug aus Amsterdam und der 8-stündigen Autofahrt, inklusive 2-stündiger Pause, ziemlich erledigt. Es gibt in der Nähe auch einen Campingplatz, wer es nicht riskieren mag, vertrieben zu werden. Auf dem Campingplatz Odda kann man seine Zelte abstellen als auch Zimmer und „Cabines“ buchen.

Bei geschätzen 0 Grad haben wir uns in unsere Zelte gekuschelt und sind dann am Freitagmorgen um ca. 10 Uhr los. Die Touristeninformation empfiehlt einen frühen Start, da man geschätzte 8-10 Stunden für den Hin- und Rückweg benötigt.

 

Der harte Beginn des Aufstiegs

Wir hatten auch noch das Pech einen der kältesten und nassesten Sommer zu erwischen. (Information von einem Norweger)

Daher wussten wir gleich, dass wir anders als geplant, nicht in der nähe der Trolltunga campen können, sondern gleich nachdem wir die steinerne Zunge gesehen haben, wieder runter müssen um zu zelten.

Die Wanderung ist nicht zu unterschätzen!

Sie beginnt gleich mal mit einer Steigung von ca. 400 Höhenmeter.

Man steigt dabei rund. 1,5km Stufen bergauf. Das ist schon einmal ein Test für sich. Da es geregnet hat, war es auch ziemlich rutschig und gatschig.

Danach geht es über eine hügeliege Landschaft weiter. Man ist zu dem Zeitpunkt sehr froh etwas Erholung vom härtesten Stück zu bekommen.

Und die Aussicht auf den künstlich angelegten Stausee Ringedalsvatnet ist während dieses Teil des Weges atemberaubend!

High-Trolltunga

Hat man die nächsten 1,5km überstanden, steigt man über nasse und matschige Wege weiter hinauf. Man merkte auch schon den ersten Temerpaturabfall.

Wir waren dafür im ersten Moment auch sehr dankbar, haben uns die Stiegen doch sehr ins Schwitzen gebracht.

Glücklicherweise hatte ich auch einen guten Regenponcho dabei, den ich extra für den Trekking-Trip gekauft habe, denn es hat zu nieseln begonnen. Das Wetter kann sich im Hochgebirge schnell ändern, daher sollte man auf alles vorbereitet sein.

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Der erste Schnee

Nach dem Temperaturabfall hat sich auch die Landschaft geändert: erste Schneefelder waren zu sehen, durch die wir stapfen mussten. Meine Wanderschuhe waren pitschnass, trotz wasserabweisendem Spray.

Zu diesem Zeitpunkt haben wir auch unsere dickeren (Winter-)Jacken angezogen. Langsam wurde es echt kalt.

 

Um uns davon etwas aufzuheitern, sind wir eine kleine, ungefährliche Strecke auf unseren Ponchos runtergerutscht.

No Risk No Fun – aber aufpassen! Man sollte immer vorab sichergehen, dass unter der Schneefläche auch wirklich harter Boden ist und man nicht einstürzt. An manchen Stellen hat man gesehen, dass der eine oder andere mit seinem Fuß eingebrochen ist.

 

Nach ca. 7km folgte ein steinerner Aufstieg. Wir mussten richtig aufpassen um nicht auf den Felsen abzustürzen. Ich möchte darauf hinweisen, dass der Trip kein Spaziergang ist!

Es kann gefährlich sein und man muss sich richtig darauf vorbereiten! Viele scheinen dies zu unterschätzen.

 

Als wir die 10km Markierung erreicht haben, war alles flächenmäßig komplett zugeschneit. Wir waren glücklich, denn unser Ziel war nur noch einen Kilometer entfernt.

 

Die Trolltunga

Bei der Trolltunga angekommen haben wir so sehr gefroren, dass wir unsere verdiente Mahlzeit gar nicht genießen konnten. Es wehte starker Wind. Also schnell Fotos gemacht und wieder runter – das ganze von vorne, oder von hinten in diesem Fall.

Wir hatten Glück. Mag es wegen des Wetters sein oder weil es ein Wochentag war, aber wir mussten nur ca. 10 Minuten für die Fotos in einer Schlange anstehen.

Der Ausblick war wunderschön: 700-Meter tiefer Abgrund mit Blick auf einen tiefblauen See, über den sich die steinige Zunge erstreckte.

 

Der Rückweg

Als wir nach rund 12 Stunden und 22km wieder unten angekommen sind, haben unsere Beine gezittert, die Schuhe waren durchweicht und wir haben gebibbert. Sowohl wegen der Kälte als auch wegen der Anstrengung.

Allerdings hat uns der Stufenabgang, den wir ja bereits am Anfang hinaufgelaufen sind, auch etwas erwärmt. Auch runter ist es eine mühselige Angelegenheit.

Am Fuß gab es ein Schild mit der Aufschrift Rooms Available.

Also haben wir im Hostel Trolltunga Studios angerufen um uns noch die letzten Zimmer zu sichern. Andernfalls wären wir in der Nacht sicherlich erfrohren und krank sowie mit starken Muskelkater aufgewacht.

Das Hostel liegt direkt am See in Odda – es ist ein Traum aufzuwachen und diese Aussicht zu genießen. Abends kann man auch am Lagerfeuer sitzen und sich mit anderen Besuchern über seine Erlebnisse austauschen.

 

Fazit

Die Wanderung zur Trolltunga ist ein atemberaubendes Erlebnis, welches aber vor allem Anfänger an ihre Grenzen bringen kann.

Der Weg nach oben ist gut gekennzeichnet, so dass du dich auch nicht verlaufen kannst. Folge einfach den roten Ts, die überall in der Landschaft verteilt sind.

Jeder geschaffte Kilometer ist auch gekennzeichnet.

Das ist auf der einen Seite sehr motivierend, aber auch manchmal etwas frustrierend, denkt man doch, dass man schon viel länger unterwegs ist, als man es in Wirklichkeit ist.

Du solltest auf alle Fälle die Tipps beherzigen, die ich in meinem in diesem Beitrag veröffentlicht habe – zu deiner eigene Sicherheit!

Laut den Touristen-Führern gibt es oft Probleme und Bergungen.

Manche Menschen kommen an, denken sich „wow, tolles Fotomotiv, da laufen wir schnell rauf“ und glauben es handelt sich um eine 1-2-stündige, leichte Wanderung.

Mit ihren Flipflops oder Converse möchten sie dann mal kurz raufgehen.

Nicht selten ist einer auf allen Vieren angekrochen gekommen.

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Hier gehts weiter zu den Tipps, die dir den Auf- und Abstieg zur Trolltunga erleichtern werden. Natürlich eignen sich diese Empfehlungen auch für andere Wanderungen.

 

Warst du selbst schon einmal dort? Wie ist es dir ergangen?

Schreib einen Kommentar und lass mich daran teilhaben!

 

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Kommentare

Kommentare

7 thoughts on “Wanderung Trolltunga Norwegen: Erfahrungsbericht

  1. Trolltunga steht auch noch auf meiner Bucketlist 🙂
    Ich bin gerade ein wenig überrascht – mir war schon klar, dass man da sicher ziemlich wandern muss, aber so anspruchsvoll, wie du es beschreibst, hätte ich es mir vielleicht nicht unbedingt vorgestellt. Deine Fotos machen aber auch gleichzeit richtig Lust auf die Tour – allerdings mit der nötigen Vorbereitung. 🙂
    Danke für diesen schönen Bericht 🙂

    1. Hey Tasmin,
      freut mich, dass der Bericht seine Wirkung nicht verfehlt hat! 🙂
      Ich war ja auch total überrascht, wie anstrengend es war, aber es ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Wie du sagst.. wenn man sich richtig vorbereitet ist es halb so schlimm, ich glaube auch dass wir einen schlimmeren „Sommer“ erwischt haben und es eigentlich gar nicht so verschneit bzw. kalt hätte sein sollen
      LG Bettina

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